Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Matchtraining gegen gleich starken Kollegen: Nettes Spiel vs. richtige Strategie
Angeregt von der Diskussion der hohen Führung...
Kennt ihr das... ihr habt einen Kumpel/Mannschaftskollegen, der ungefähr das gleiche Tennis spielt wie ihr. Wenn ihr Euren "normalen" Stiefel spielt, verliert ihr 3 von 5 Matches, weil ihr beide das ähnliche Spiel habt, er aber vielleicht einen Tick besser ist. Jetzt kennt ihr ihn aber so lange und wisst, dass ihr ihn mit langsamen, hohen Spinbällen auf die Rückhand (2-3 mal hintereinander) und danach einem kurzen Ball (weil er in Erwartung des nochmal langen, hohen fast am Zaun klebt) zum einen locker schlagen könnt, ihn zum anderen aber komplett verrückt macht. Ihr könnt also sicher sein, dass ihr gewinnt, aber Spaß machts am Ende fast keinen mehr, weil er sonst zurecht (?) angefressen ist, weil das mit "Tennis aus Spaß" möglicherweise nicht viel zu tun hat.
Kennt ihr das und wenn ja, was macht ihr?
Headfreak
09.09.2010, 09:45
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich im Training auch Matchtraining ganz normal spielen würde. Da ist es mir auch egal, ob ich gewinne oder nicht.
Im richtigen Match würde ich aber so spielen, dass ich gewinne. Eben auch mit der oben angegebenen Taktik, denn soviel Ehrgeiz zu gewinnen habe ich schon.
Mir würde es im Match keinen Spaß machen, wenn ich wüsste ich spiele sozusagen extra so, dass es dem anderen Spaß macht um evtl. zu verlieren.
Und mal ganz ehrlich gesagt, wem macht es keinen Spaß zu gewinnen. Die Taktik gehört nunmal dazu. Wenn er weiß, dass er mit den von dir beschriebenen Bällen nichts anfangen kann, kann er ja was dagegen machen, aber deshalb würde ich im richtigen Match nicht anders spielen.
Wie gesagt Training und Matchtraining ist bei mir was anderes.
Wenn ich im Training bin, dann spiele ich nicht auf Ergebnis, sondern versuch die für mich optimale Technik in der Matchsituation umzusetzen. In Wettkampfspielen hingegen spiele ich zum großen Teil auf Ergebnis
Ich habe seit langem Probleme mit der Vorhand, vor allem bei Wettkampf-Matches. Daher habe ich die komplette Medenrunde Serve-and-Volley gespielt und alles gewonnen.
Da ich jedoch weiß, dass mich das auf lange Frist nicht sinnvoll ist, versuche ich meine Vorhand langsam wieder heranzubringen. Da spiele ich dann bei "Trainingsspielen" extrem häufig die Vorhand und bin kaum am Netz zu finden!
nobody84
09.09.2010, 09:58
Kenne das von dir beschriebene Problem sehr gut.
Muss grundsätzlich sagen, dass ich eigentlich vorrangig mein normales Tennis spiele also sag mal aggressives Grundlinientennis. Probiere auch oft die Rückhand durchschwingen, da die RH drive bzw. Topspin meine Schwäche ist eigentlich.
Wenn mich das aber auf die Verliererstrasse führt muss ich zugeben, dass dann auch oft der Sicherheitsslice eingebaut wird oder eben öfter auf die Schwächen des Gegners eingegangen wird. Natürlich wenn der Gegner sowieso viel stärker ist, dann versuche ich weiter normal zu spielen.
Also muss sagen ich spiele schon meine Matchtaktik auch im Training, finde so kann man "Ernstsituationen" auch besser trainieren. Finde es eigentlich auch gut wenn ein Gegner es genauso macht, den nur so weiß ich selber auch was meine Schwächen sind und kann an diesen arbeiten.
ZB wird ist meine Rückhand schon um einiges besser geworden als noch zu Beginn der Saison weil eben jeder die RH anspielt.
lexi4berlin
09.09.2010, 09:59
Ja, das kenne ich.
Bei einem Trainingsspiel geht es für mich nicht in erster Linie um den Sieg.
Beide Partner sollen einen anständigen Trainingseffekt haben (Beispiel: Den "neuen", ober noch nicht ganz sicheren Aufschlag üben, was ich im Verbandsspiel nie tun würde). Deshalb lullere ich nicht rum, nur weil ich den Partner so besiegen könnte, denn davon hätten wir beide wenig. Allerdings wissen meine Partner auch, dass ich die Luller-Option hätte und dann deutlich unbequemer zu besiegen wäre, es entsteht also kein falscher Eindruck.
Ab und an ist es natürlich sinnvoll, mal wirklich erfolgsorientiert zu spielen (das heißt bei uns: eigene Fehler vermeiden), das machen wir auch mitunter und schieben uns die Bälle dann nur zu, macht uns beiden dann aber keinen Spaß, sondern trainiert im Wesentlichen nur die Disziplin.
An eurer Stelle würde ich situatives Training machen, um zu üben. Also Du spielst tatsächlich die langen Bälle auf die Rückhand und streust dann mal einen Stopp ein, den er erlaufen muss. Aber eben als Training, nicht in ein Match eingekleidet.
Da ich kein Training habe, spiele ich nur gegen Vereinskollegen. Wenn ich die Schwäche des Gegners erkannt habe, nutze ich sie auch voll aus. Man muss dabei auch bedenken, dass man dem Gegner ja damit auch hilft. Denn nur wenn er seine schwachen Schläge spielt, kann er sich verbessern. So würde schon die ein oder andere Schwäche ausgebügelt :D
nobody84
09.09.2010, 10:25
Da ich kein Training habe, spiele ich nur gegen Vereinskollegen. Wenn ich die Schwäche des Gegners erkannt habe, nutze ich sie auch voll aus. Man muss dabei auch bedenken, dass man dem Gegner ja damit auch hilft. Denn nur wenn er seine schwachen Schläge spielt, kann er sich verbessern. So würde schon die ein oder andere Schwäche ausgebügelt :D
Genauso sehe ich das auch. :daumen:
Also wenn der Partner sollte eher dankbar sein dafür. Natürlich nutze ich diese Trainingsmatches aber auch um neue Sachen auszuprobieren, die noch nicht sattelfest sind. Sollte der Gegner dann bevorzugt auf diese spielen und dadurch gewinnen, bin ich eher froh, weil der Sinn dann ja nicht darin bestand zu gewinnen sondern diese Sachen zu probieren.
AlfaChris
09.09.2010, 10:40
Auch ich kenne die Situation sehr gut!
Bei vielen meiner Trainigspartner funktioniert aber ein guter Kompromiss. Beide versuchen meist, was Neues auszuprobieren und damit natürlich auch das Match zu gewinnen. Wenn's gar nicht klappt und man in Rückstand gerät, zieht man dann meist den Standard-Plan aus der Tasche und versucht das Match noch rumzudrehen. Letzteres ist auch eine ganz gute Herausforderung und bringt meist ein spannendes Match.
Reines Ballschupsen gibts bei mir allerdings weder im Trainings-Match noch im richtigen Match. Sowas macht mir keinen Spaß und solange ich dafür kein Geld bekomme, mach ich auch nix, was mir keinen Spaß macht.
Reines Ballschupsen gibts bei mir allerdings weder im Trainings-Match noch im richtigen Match. Sowas macht mir keinen Spaß und solange ich dafür kein Geld bekomme, mach ich auch nix, was mir keinen Spaß macht.
Aber gewinnen macht doch auch Spaß, oder? ;)
seppel15
09.09.2010, 11:41
Also, ich spiele relativ häufig gegen Mannschaftskollegen, die in etwa meine Leistungsstärke haben. Sicher will ich das Trainingsspiel auch gewinnen, probiere hier aber auch mal paar Sachen aus, die ich im Punktspiel vermeiden würde. Beispielsweise mehr Winkelspiel, Serve und Volley oder taktische Aufschläge. Wir geben uns im Spiel oder besser in den Pausen aber auch gegenseitig Tipps. Also von der Wertigkeit her würde ich sagen:
1. Taktische und technische Stabilisierung
2. Gegenseitige Verbesserung
3. Gewinnorientierung
AlfaChris
09.09.2010, 11:45
Es macht auch Spaß 100 000 Euro zu gewinnen. Wenn ich mich dafür aber ein halbes Jahr mit ein paar Vollidioten in eine WG sperren lassen muss schauts schon wieder anders aus.
Ich spiele Tennis in meiner Freizeit und ja, ich gewinne gerne. 2 Stunden meiner Freizeit damit zu verschenken, Bälle mit 10 km/h über ein netz zu schubsen nur um mich danach darüber freuen zu können, gewonnen zu haben, ist halt nicht mein Ding. Ich weiß, das sehen die meisten Hobby-Schubser anders, aber ich bin da halt anders.
Meine Mannschaftskollegen wissen das übrigens. Solange ich die meisten Matches ohne Schubserei gewinne setzen sie mich aber zum Glück trotzdem ein. Sollte das mal nicht mehr klappen, spiele ich halt nicht mehr Mannschaft. Auch kein Problem.
Ein paar richtig schöne Ballwechsel auf hohem Niveau machen mir immer mehr Spaß wie am Ende sagen zu können: Juhuu, ich hab' gegen Fernando Hinterwimmer aus Hinteroberweiblingen II nach 6 Stunden 7:5 6:4 geschlagen. Super, jetzt hab ich statt LK 12 halt LK 11. (Vollhonk statt totaler Vollhonk).
Hawkeye2
09.09.2010, 11:57
Hi,
die Frage ist immer:
- echtes Training
oder
- Funmatch ?!
Just for fun würde ich immer so spielen, wie es mir am meisten Spaß macht und wenn ich gut spiele, dann ist mir das Ergebnis total schnurtz. Ich spiele lieber gut und verliere als daß ich Sachen spiele, die mir nicht liegen aber damit gewinne.
Im Trainingsmatch hast Du aber auch gewisse Verpflichtungen Dir und deinem Partner gegenüber.
Soll heissen, Du solltest Dich voll einsetzen (nichts abschenken) und auch so spielen, daß dein Gegner Probleme hat.
Der soll doch auch das trainieren, was er nicht kann, damit er im Medenspiel damit klar kommt.
Es ist trainingstaktisch auch gut, Stärken zu trainieren, aber man muss doch auch wissen, was man macht, wenn gewisse Spielzüge auftauchen die man nicht mag...
Gruß
nobody84
09.09.2010, 12:15
Hi,
die Frage ist immer:
- echtes Training
oder
- Funmatch ?!
Just for fun würde ich immer so spielen, wie es mir am meisten Spaß macht und wenn ich gut spiele, dann ist mir das Ergebnis total schnurtz. Ich spiele lieber gut und verliere als daß ich Sachen spiele, die mir nicht liegen aber damit gewinne.
Im Trainingsmatch hast Du aber auch gewisse Verpflichtungen Dir und deinem Partner gegenüber.
Soll heissen, Du solltest Dich voll einsetzen (nichts abschenken) und auch so spielen, daß dein Gegner Probleme hat.
Der soll doch auch das trainieren, was er nicht kann, damit er im Medenspiel damit klar kommt.
Es ist trainingstaktisch auch gut, Stärken zu trainieren, aber man muss doch auch wissen, was man macht, wenn gewisse Spielzüge auftauchen die man nicht mag...
Gruß
Sehe das auch so. Wobei ich, wenn ich mit einem annähernd gleich starken Kollegen spiele, dass als echtes Training sehe.
Ich spiele Tennis in meiner Freizeit und ja, ich gewinne gerne. 2 Stunden meiner Freizeit damit zu verschenken, Bälle mit 10 km/h über ein netz zu schubsen nur um mich danach darüber freuen zu können, gewonnen zu haben, ist halt nicht mein Ding. Ich weiß, das sehen die meisten Hobby-Schubser anders, aber ich bin da halt anders.
...
Ein paar richtig schöne Ballwechsel auf hohem Niveau machen mir immer mehr Spaß wie am Ende sagen zu können: Juhuu, ich hab' gegen Fernando Hinterwimmer aus Hinteroberweiblingen II nach 6 Stunden 7:5 6:4 geschlagen. Super, jetzt hab ich statt LK 12 halt LK 11. (Vollhonk statt totaler Vollhonk).
:daumen:
moya fan
09.09.2010, 19:13
Sehe das wie Alfa Chris. Ich glaub, bevor ich anfangen würde, mit der Ballschubserei anzufangen, würde ich mit Tennis aufhören, da es meiner Spielanlage komplett widerstrebt. Ich versuche eigentlich immer, ob im Training oder im echten Match, mein Spiel durchzuziehen. Wobel ich im Trainigsmatch sicherlich noch agressiver und mit mehr Risiko agiere. Aber völlig von meiner eigentlich Spielanlage abweichen würde ich niemals. Hab dieses Jahr viel spielen können, auch mit Gegnern der unterschiedlichsten Spielaufassung und wieder Trainerstunden genommen. Wir haben sehr matchbezogen trainiert und immer Länge und Sicherheit vor Power gesetzt. Das alles hat mit dazu beigetragen, daß ich mittlerweile in der Lage bin, auf das Spiel des Gegners zu reagieren, ohne meine Linie zu verlieren. Zudem bin ich auf dem Platz wesentlich ruhiger und fokussierter geworden und spiele nun kein sinnloses Powertennis mehr, sondern ein für meine Verhältnisse akzeptables Allroundtennis. Trotzdem gibt es Teamkollegen, gegen die ich meistens verliere, obwohl ich nominell klar besser bin. Aber er ist sich im Gegensatz zu mir nicht zu schade, die Bälle rüber zu ömmeln. Aber auch den werd ich noch regelmäßig schlagen. Es ist halt einfach so, daß es Spieler gibt, die einem überhaupt nicht liegen.
nobody84
10.09.2010, 09:13
Trotzdem gibt es Teamkollegen, gegen die ich meistens verliere, obwohl ich nominell klar besser bin. Aber er ist sich im Gegensatz zu mir nicht zu schade, die Bälle rüber zu ömmeln. Aber auch den werd ich noch regelmäßig schlagen. Es ist halt einfach so, daß es Spieler gibt, die einem überhaupt nicht liegen.
Also ich habe noch vor dem heurigen Sommer gegen solche Gegner Probleme gehabt. Dadurch, dass ich aber oft gegen sie gespielt habe und so immer wieder meine Schläge wiederholen habe müssen bin ich viel sicherer bei der Vorhand geworden, kann sie besser plazieren und auch besser mit Tempowechseln umgehen bzw. einen langsamen Ball besser schnell machen.
Hätten diese Gegner im Training versucht schnell bzw. "schön" zu spielen dann hätte ich wohl öfte gewonnen, aber im Endeffekt hätten sie im Ernstfall trotzdem bessere Karten gehabt weil ich dann wieder zu unsicher gewesen wäre.
Was ich sagen will, in diesem Falle habe ich von der "Schubserei" profitiert und bin froh, dass meine Gegner das immer so gespielt haben.
AlfaChris
10.09.2010, 10:13
Ich glaube einer der häufigsten Sätze im Tennis Breitensport ist folgender:
"Mensch, ich hab' gerade gegen einen 1:6 1:6 verloren, der viel schlechter ist wie ich".
Ich nehme mich da übrigens gar nicht aus! Wenn man aber mal ehrlich ist, recht viel größeren Schwachsinn kann man eigentlich gar nicht sagen, oder?
Aber wie kommen wir Tennisspieler da drauf? Ich denke, da gibts mehrere Gründe. Z.B. beurteilen wir unsere Leistungsklasse gerne anhand der "optischen Qualität" unserer Schläge. Sprich, passt die Technik, wie schnell, flach, lang etc. fliegt der Ball. Ausserdem denken wir, dass wir eigentlich so gut sind, wie wir am besten Tag unter besten Trainingsbedingungen mal 2 Ballwechsel hintereinander hinbekommen. Die 1000 mal, die wir eine Vorhand aus dem Halbfeld an den Zaun genagelt haben, nimmt keiner her, um seine eigene Leistungsfähigkeit zu messen.
Lange Rede kurzer Sinn:
1. gilts im Tennis, den Ball einmal öfter ins Feld zu spielen als der Gegener. 2. tendieren Freizeitspieler zu einem völlig verzogenen Selbstbild.
Bei dem oben zitierten Satz muss man sich auch mal die perspektive seines Gegners vorstellen. Der hat gerade gegen Dich ein Match offensichtich haushoch gewonnen und ich sage nur, dass ich schlecht gespielt habe und schmälere damit seine Leistung. Sportlich fair ist anders...
Wenn ich für mich entscheide, meinen Stiefel durch zu spielen und dann gegen jemanden verlierer, dann war er besser. EGAL mit welcher Taktik.
Lange Rede kurzer Sinn:
1. gilts im Tennis, den Ball einmal öfter ins Feld zu spielen als der Gegener
...nur darauf sein Tennisspiel zu reduzieren ist aber auch sehr mager
...genau mit dieser Weisheit rechtfertigen nämlich gerade die "Schubser" ihre Spielweise ;)
nobody84
10.09.2010, 15:34
Naja also ich finde AlfaChris hat es genau auf den Punkt getroffen.
Eigentlich war ich besser, der andere hat ja nur reingespielt... was spielt mir der für langsame Bälle rüber etc. Habt ihr sowas schon mal gehört von einem der dann gewonnen hat?? ;)
Eher selten, schätze ich mal. Und im Tennis ist es zum Glück ziemlich einfach, man hat ein Ergebnis, welches nicht aus einer Aktion heraus passiert (kann man sich vll im Fußball sagen naja wir hatten mehr Chancen etc) sondern es hat jeder Punkt gezählt.
Sicher nervt es gegen jemanden zu spielen der alles erläuft, technisch vll nicht der sauberste Spieler ist und eben alles leicht reinspielt, es ist aber nicht verboten und wird sehr oft angewandt!
Deswegen finde ich es gut wenn man gegen solche Leute trainiert.
Abgesehen davon, dass es den typischen Schubser ab einer gewissen Klasse sowieso nicht mehr gibt.
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